Pötschlingbergbahn

Der Pöstlingberg ist eines der Wahrzeichen von Linz: die über der Stadt thronende Wallfahrtsbasilika, das Panorama über die Donau und jene besondere Bergbahn, die seit mehr als 125 Jahren den steilen Hang hinaufklettert. Die Pöstlingbergbahn ist zugleich historische Bergbahn, technische Kuriosität und moderne Stadtstraßenbahn – eine seltene Kombination, die selbst in Europa einzigartig ist.

🕰 Geschichte: von den Pilgern zum modernen Stadtverkehr

Die runden Steinbastionen auf dem Gipfel des Pöstlingbergs prägten das Erscheinungsbild des Berges schon lange vor dem Bau der Bergbahn: Sie wurden in den 1830er‑Jahren als Teil des Festungssystems rund um Linz errichtet. Obwohl sie nie in eine kriegerische Auseinandersetzung gerieten, verleihen ihre massiven Mauern dem Berg bis heute eine besondere Atmosphäre.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zog der Pöstlingberg immer mehr Ausflügler an, und so entstand die Idee einer Bergbahn. Während der Planungsphase wurde sogar ein Zahnradbahnsystem erwogen, letztlich entschied man sich jedoch für eine steile Adhäsionsstraßenbahn – damals ein kühnes, nahezu beispielloses Projekt, denn die Steigungen von 10,5 bis 11,6 % galten selbst europaweit als Rekord.

Mit der Eröffnung der Pöstlingbergbahn im Jahr 1898 begann eine neue Ära: Der technische Optimismus der Jahrhundertwende traf auf die zeitlosen Steinmauern der Festungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert. Diese beiden Welten verschmelzen bis heute harmonisch miteinander – die Grottenbahn, die Aussichtsterrasse und sogar die Bergstation befinden sich in den ehemaligen Bastionen, während die modernen Garnituren Linz’ Vergangenheit und Gegenwart in einer einzigen Fahrt miteinander verbinden.

1.) Die Steigung von 11,6 % liegt noch innerhalb der Adhäsionsgrenze, denn moderne Straßenbahnen erreichen eine Haftgrenze von etwa 12–14 %. Dadurch ist die extreme, aber gleichmäßige Steigung der Pöstlingbergbahn auch ohne Zahnstange sicher befahrbar.

2.) Die Fahrzeuge und die Strecke wurden zudem speziell für den Bergbetrieb ausgelegt: Beim Umbau im Jahr 2009 verstärkte man die Gleisanlagen, optimierte den Antrieb und integrierte mehrere Bremssysteme wie Betriebsbremse, Schienenbremse und Magnetschienenbremse.

3.) Hinzu kommt, dass die Linie kurz und gleichmäßig trassiert ist. Die 4,1 Kilometer lange Strecke enthält keine langen Abschnitte mit mehr als 12 % Steigung, sodass ein Zahnradsystem nicht notwendig ist.

🔗 Wie wurde die Pöstlingbergbahn an das Linzer Straßenbahnnetz angebunden?

Die Pöstlingbergbahn war jahrzehntelang eine eigenständige Bergbahn mit eigenem Fuhrpark und einer separaten Endstation in Urfahr. Der große Wandel kam 2009, als die Strecke grundlegend modernisiert wurde: Die Spurweite wurde von 1000 mm auf 900 mm reduziert, die Linie wurde an das städtische Straßenbahnnetz angebunden, neue Fahrzeuge wurden angeschafft und die Strecke bis zum Hauptplatz verlängert.

Heute verkehrt die Pöstlingbergbahn als Linie 50, die direkt aus der Innenstadt startet und dieselben Gleise nutzt wie die übrigen Linzer Straßenbahnen – allerdings nur bergab. Die „normalen“ Straßenbahnen dürfen den Berg nicht hinauffahren, da ihnen die spezielle Brems- und Antriebstechnik fehlt, die für die extremen Steigungen erforderlich ist.

🚉 Die Linienbeschreibung

Die Kopfbahnhof-Endstation am Hauptplatz ist in Linz eine Besonderheit: Während die übrigen Straßenbahnen nur in eine Richtung verkehren und daher Wendeschleifen benötigen, fährt die Pöstlingbergbahn mit zwei­richtungs­fähigen Fahrzeugen. So konnte hier eine elegante, einfache Kopfstation direkt neben den Bahnsteigen der anderen Linien entstehen.

Die Garnituren starten gemeinsam mit den Innenstadtlinien und nutzen zunächst deren Gleise: Sie überqueren die Donaubrücke, und an der Haltestelle Rudolfstraße zweigen die Linien 1 und 2 in Richtung JKU (Johannes Kepler Universität) ab. Die Pöstlingbergbahn fährt noch drei weitere Stationen zusammen mit den Linien 3 und 4 bis zur Landgutstraße.

Dort befindet sich die Endstation des städtischen Abschnitts, wo das Gleis Richtung Berg ausfädelt. Der Bahnsteig ist gemeinsam genutzt, daneben liegt ein Abstellgleis. Anschließend folgt eine Wendeschleife, und nach der Kreuzung beginnt die eigentliche Bergstrecke.

Eine Besonderheit der Linie ist die Kreuzung der Mühlkreisbahn, bei der die Straßenbahn die Gleise der Vollbahn quert. Schutzweichen sichern diesen Punkt, und hier endet gewissermaßen der urbane Charakter der Strecke. Ab diesem Moment wird die Trasse eingleisig, und die Bahn beginnt ihren steilen Anstieg auf den Pöstlingberg.

Auf dem Bergabschnitt gibt es vier Ausweichen, an denen sich die Züge aus der Gegenrichtung begegnen können: Bruckner Universität, Schableder, Oberschableder und schließlich Pöstlingberg. Die übrigen Haltestellen sind eingleisig und besitzen stimmungsvolle, leicht nostalgisch wirkende Wartehäuschen mit Bänken und Ticketautomaten. Die Umgebung verändert sich rasch: Die städtische Bebauung verschwindet, stattdessen treten Wälder, Gärten und aussichtsreiche Hanglagen in den Vordergrund.

Die Endstation liegt unterhalb der Basilika, direkt neben den alten Festungsanlagen. Auch hier wenden die Garnituren in einer Wendeschleife, und der Bahnsteig bietet einen unmittelbaren Zugang zur Aussichtsterrasse sowie zum Eingang der Grottenbahn.

🚋 Fahrzeugtypen

Seit 2009 kommen auf der Pöstlingbergbahn moderne Fahrzeuge zum Einsatz: die Bombardier Cityrunner / Linz AG „Type M“, die auf 900 mm Spurweite fahren, über einen Niederflureinstieg verfügen und mit verstärktem Antrieb sowie speziellen Bremssystemen für den steilen Bergbetrieb ausgerüstet sind.

Daneben existiert eine Nostalgieflotte mit den historischen Triebwagen VIII, X und XI aus den Jahren 1948 bis 1960. Diese Fahrzeuge besaßen ursprünglich 1000 mm Spurweite, wurden jedoch 2009 auf 900 mm umgebaut. Sie verfügen über zwei 24‑kW‑Motoren und ebenfalls über spezielle Bremsanlagen, die den Einsatz auf der steilen Strecke ermöglichen.

🕒 Fahrplan

Der Grundtakt beträgt alle 30 Minuten, wofür zwei Fahrzeuge im Einsatz sind.

Von Frühling bis Herbst wird an Wochenenden auf einen 15‑Minuten‑Takt verdichtet, dann verkehren vier Garnituren, und einmal pro Stunde ist auch ein Nostalgietram unterwegs.

🎫 Tarifen

Ein Einzelfahrschein gilt jeweils nur für eine Fahrt – entweder bergauf oder bergab. Für eine Hin‑ und Rückfahrt gibt es das Retour‑Ticket. Das Tagesticket ist sowohl auf der Pöstlingbergbahn als auch im gesamten Straßenbahn‑ und Busnetz von Linz gültig. Besonders lohnt es sich, wenn man neben dem Besuch des Pöstlingbergs auch viel in der Stadt unterwegs ist, denn damit kann man das gesamte Netz mit nur einem Ticket nutzen.

Tickets erhält man an den Fahrscheinautomaten an den Haltestellen sowie über die Linz‑AG‑Mobilapp. Für die Nostalgietrams ist kein Zuschlag erforderlich – sie können mit denselben Tickets benutzt werden wie die modernen Fahrzeuge.

ℹ️ https://www.linzag.at/portal/de/privatkunden/unterwegs/tickets___tarife/tickets_poestlingbergbahn

🚋 Erlebnis der Fahrt

Vom Hauptplatz aus gleitet die Bahn zunächst an den eleganten Innenstadtfassaden vorbei, bevor sie in die ruhigeren Straßen von Urfahr übergeht. Nach der Kreuzung mit der Mühlkreisbahn wird die Strecke plötzlich deutlich steiler, und die Stadt sinkt immer tiefer unter den Blicken der Fahrgäste. Der Zug klettert langsam, aber souverän den Hang hinauf, bis er schließlich die Station unterhalb der Basilika erreicht.

Diese Fahrt ist zugleich Stadtrundblick, Zeitreise und technisches Erlebnis – eine einzigartige Kombination, die den besonderen Charakter der Pöstlingbergbahn ausmacht.

🌄 Sehenswürdigkeiten am Pöstlingberg

Basilika
Die barocken Türme der Wallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert sind schon von weitem sichtbar.

🌄 Aussichtspunkte
Bei klarem Wetter reicht der Blick vom Donautal bis zu den Voralpen.

🚂 Grottenbahn
Eine märchenhafte Höhlenbahn für Kinder und alle, die nostalgische Attraktionen lieben.

🏰 Pöstlingberg Schlössl
Ein Restaurant innerhalb der alten Festungsmauern, mit einer Terrasse, die einen beeindruckenden Panoramablick bietet.