Mariazell: Wallfahrtsort, Märchenwelt und Zeitreise

Mariazell ist ein Reiseziel, das viele Menschen auf unterschiedliche Weise anspricht – auch ich kehre immer wieder hierher zurück, und jedes Mal warten neue Entdeckungen auf mich.
Die kleine österreichische Stadt liegt zwar nur etwa 140 Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt, und doch ist die Anreise vergleichsweise lang – ein wesentlicher, stimmungsvoller Teil des Gesamterlebnisses. Während man durch märchenhafte Berglandschaften reist, vergeht die Zeit wie im Flug. Schon unterwegs spürt man: Diese Wallfahrt hat sich gelohnt.

🚂 Eine lange, spannende Fahrt ins alpine Märchenland

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Von Ungarn aus erreicht man Mariazell am bequemsten mit einem Umstieg in St. Pölten: Die Railjets aus Budapest halten direkt in St. Pölten. Wer aus Richtung Sopron anreist, kann in Wien auf diese Verbindung umsteigen.

Regionale Züge in Richtung St. Pölten fahren in Wien vom Westbahnhof ab – auf diesen Verbindungen ist auch das VOR Freizeitticket Plus gültig.

In St. Pölten steigt man in die Mariazellerbahn um, deren Schmalspurzüge von einem der äußeren Gleise (12 oder 13) abfahren.
Auch aus der Steiermark ist Mariazell gut erreichbar: In diesem Fall nimmt man einen Bus ab Mürzzuschlag oder Kapfenberg – beide Orte sind mit den Railjets auf der Strecke Wien–Graz verbunden.

Die Mariazellerbahn ist eine der eindrucksvollsten und außergewöhnlichsten Schmalspurbahnen Österreichs. Sie wurde zwischen 1898 und 1907 gebaut und verbindet St. Pölten mit Mariazell auf einer Strecke von 84 Kilometern.
Auf der gesamten Strecke verkehren moderne, elektrisch betriebene Züge, die selbst auf den kurvigen Bergabschnitten mit bis zu 80 km/h unterwegs sind. Der landschaftlich spektakulärste Abschnitt führt durch den Naturpark Ötscher–Tormäuer.
Die Züge fahren ganzjährig täglich, allerdings befahren nicht alle den kompletten Streckenverlauf: Viele enden bereits in Laubenbachmühle, am Beginn des alpinen Abschnitts. In der Regel fährt nur jeder zweite Zug bis Mariazell, wobei in der Hauptsaison zusätzliche Verbindungen und touristische Sonderzüge angeboten werden.

Die 760 mm schmale Spur der Strecke passt sich harmonisch der alpinen Landschaft an und führt durch zahlreiche Tunnel, über Viadukte und steile Anstiege – die meisten davon zwischen Laubenbachmühle und Mariazell. Schon allein aus verkehrstechnischer Sicht ist die Fahrt ein echtes Erlebnis.
Die Bahn wurde früh elektrifiziert (1907–1911), wobei die Wasserkraft der Region genutzt wurde. Der Betrieb liegt – wie bei mehreren touristisch bedeutenden Bahnstrecken in Niederösterreich – in den Händen der NÖVOG, die die Strecke nach der Übernahme von der ÖBB umfassend modernisiert hat.

Die goldfarbenen Himmelstreppe-Züge verkehren täglich – ihr Name bedeutet „Himmelsleiter“ und verweist auf das besondere Erlebnis dieser Fahrt. Die von Stadler gebauten Garnituren sind mit den in Ungarn bekannten FLIRT- und KISS-Zügen verwandt. Sie sind klimatisiert, barrierefrei (ebenso wie die meisten Bahnsteige) und bieten komfortable Mitnahmemöglichkeiten für Kinderwagen, Rollstühle und Sportausrüstung.

Einige Verbindungen – morgens nach Mariazell und nachmittags retour – führen auch einen Panoramawagen mit extragroßen Fenstern. Dieser dient gleichzeitig als Bordrestaurant, in dem man auf Vorbestellung regionale Frühstücke, Jausen oder Süßspeisen genießen kann – mit herrlichem Blick auf die vorbeiziehende Bergwelt.

⏰ Fahrzeit: ca. 2 Stunden 17 Minuten

An Wochenenden in der Tourismussaison fährt der Erlebniszug Ötscherbär, benannt nach dem „Bären vom Ötscher“. Morgens geht es nach Mariazell, nachmittags zurück. Gezogen wird der Zug von einer über 100 Jahre alten Elektrolok, die Wagen sind traditionell – mit offenen Abteilen und herunterklappbaren Fenstern, durch die man die frische Bergluft genießen kann.

Ein Buffetwagen und ein Fahrradabteil sind ebenfalls dabei. Bei besonderen Anlässen werden thematische Erlebnisfahrten für Kinder angeboten. An ausgewählten Sonntagen wird der Zug sogar von einer nostalgischen Dampflok gezogen.

🎟️ Fahrpläne und Tickets: www.oebb.at, www.mariazellerbahn.at

💡 Tipp: Wer ausschließlich mit Regionalzügen reist, fährt am Wochenende am günstigsten mit dem VOR Freizeitticket Plus. Damit kann man einen ganzen Tag lang unbegrenzt in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland unterwegs sein – auch mit der Himmelstreppe, dem Ötscherbär, Regionalbussen und den Wiener Öffis.
Weitere Infos: https://www.vor.at/tickets/ticketuebersicht/freizeitticket

🚡 Bürgeralpe-Seilbahn – Kabinenfahrt auf den Berg

Die Seilbahn zur Bürgeralpe startet im Zentrum von Mariazell auf 878 Metern Seehöhe. Auf einer Strecke von 1.505 Metern überwindet sie 376 Höhenmeter und erreicht die auf 1.254 Metern gelegene Bürgeralpe – den sogenannten Hausberg von Mariazell.

Die Kabinenbahn mit dem Namen Bürgeralpe Express feiert in drei Jahren ihr 100-jähriges Bestehen. Dennoch gibt es in Österreich noch sechs weitere Kabinenseilbahnen, die älter sind als sie.

      • 🛠️ Typ: Einseilumlaufbahn (Kabinenbahn)

      • 🏗️ Inbetriebnahme: Dezember 2019 – neues System von Doppelmayr

      • 📏 Streckenlänge: 1.505 m

      • ⛰️ Höhenunterschied: 376 m (von 878 m auf 1.254 m)

      • 🚀 Geschwindigkeit: ca. 18 km/h

      • ⏱️ Fahrzeit: ca. 7–8 Minuten

      • 🚠 Kabinenanzahl: 28 Kabinen, jeweils für 8 Personen

      • 🗼 Stützenanzahl: 10

      • 📈 Beförderungskapazität: bis zu 1.000 Personen pro Stunde

      • ♿ Komfort: ebenerdiger Einstieg, Panoramafenster, barrierefr

Früher verkehrten auf der Strecke zwei große Pendelkabinen, doch mit dem wachsenden Tourismusbedarf war eine neue Lösung gefragt. So verabschiedete man sich 2018 vom ikonischen Großkabinen-System und begann mit dem Bau einer modernen Umlaufbahn mit kleinen Kabinen.
Das neue System wurde im Herbst 2019 fertiggestellt: Es besteht aus 28 Gondeln für je 8 Personen. Dank des kontinuierlichen Betriebs können nun über 1.000 Fahrgäste pro Stunde befördert werden – mehr als das Vierfache der bisherigen Kapazität von 240 Personen pro Stunde.
Die Fahrzeit ist kürzer, das Panorama bleibt atemberaubend – besonders der Blick auf die Basilika ist ein echtes Highlight.

🎟️ Betriebszeiten & Tickets: www.buergeralpe.at

🗻 Abenteuer auf über 1.200 Metern Höhe

Die Bürgeralpe – der ikonische Hausberg von Mariazell – ist das ganze Jahr über ein beliebtes Ausflugsziel. Sie bietet eine Vielzahl an kulturellen und unterhaltsamen Erlebnissen – ideal für Familien, Abenteuerlustige und alle, die Ruhe und neue Energie in der Natur suchen.

🚂 Museumstramway – Nostalgiefahrt zum Erlaufsee

Die Museumstramway ist eine historische „Lokalbahn“, die Mariazell mit dem nur knapp 2 km entfernten Erlaufsee verbindet. Von Frühling bis Herbst verkehrt sie an Wochenenden und Feiertagen – eine nostalgische Reise in die Vergangenheit.

Die Fahrzeuge sind über 100 Jahre alt, aus Holz gebaut, mit charmant knarrenden Sitzen – eine Fahrt wie mit einer Zeitmaschine. Auch das Zugpersonal trägt historische Uniformen, und selbst die Fahrkarten sind im Stil vergangener Zeiten gestaltet – eine Hommage an jene Ära, in der Ausflügler noch liebevoll Fahrkarten, Landkarten und Prospekte sammelten.

Bei schönem Wetter kommen sogar Dampflokomotiven zum Einsatz – ein besonderes Erlebnis für Eisenbahnfreunde und Familien gleichermaßen.

Die Mittelstation der Museumstramway befindet sich direkt am Endpunkt der Schmalspurbahn – das bedeutet: In die eine Richtung fährt man bis zur Haltestelle Mariazell Promenadenweg nahe dem Stadtzentrum, in die andere bis zum Erlaufsee.

Ein spannender Kontrast entsteht durch die Normalspur und den nostalgischen Charakter der Tramway im Vergleich zur modernen, aber schmalspurigen Mariazellerbahn – Vergangenheit und Gegenwart der alpinen Mobilität treffen hier auf besonders charmante Weise aufeinander.

ℹ️ Betriebszeiten, Fahrplan & Tickets: https://museumstramway.at/

🌊 Erlaufsee – Ruhe am alpinen See

Der Erlaufsee ist ein malerischer Alpensee an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark, nur wenige Kilometer von Mariazell entfernt. Auf 827 Metern Seehöhe gelegen, zieht das kristallklare Wasser seit Jahrhunderten Naturfreunde und Pilger an.

Bereits im Mittelalter führte einer der Pilgerwege nach Mariazell am See vorbei, doch erst mit der Eröffnung der Mariazellerbahn im Jahr 1907 wurde der See auch für den Tourismus leichter erreichbar.

Ein gepflegter Badestrand, ein Bootsverleih, eine Tauchschule und ein Abenteuerpark machen das Ufer besonders attraktiv. Die umliegenden Berge – allen voran die Gemeindealpe und der Ötscher – bilden eine beeindruckende Kulisse.

Der Erlaufsee ist nicht nur landschaftlich reizvoll, sondern auch kulturell bedeutsam: Einer lokalen Legende zufolge erinnert seine Form an die „Madonna mit Kind“. Ein Marienbild am Ufer erinnert bis heute an diesen Glauben.

Der Erlaufsee lässt sich bequem zu Fuß umrunden: Die rund 5,3 km lange Strecke ist in etwa 1,5 Stunden gemütlich zu bewältigen – ideal für einen entspannten Spaziergang mit herrlichen Ausblicken auf See und Berge.

⛵ Bootsfahrt am Erlaufsee

Beim Endpunkt der Museumstramway starten gemütliche Rundfahrten auf dem Erlaufsee. Die Fahrt dauert etwa 25 Minuten und führt über das kristallklare Wasser des Sees – begleitet von faszinierenden Ausblicken auf die umliegende Alpenlandschaft.

Während das Boot sanft über den See gleitet, erfahren die Gäste Wissenswertes über die Geschichte und die Natur des Erlaufsees. Eine ideale Gelegenheit für alle, die Ruhe suchen und sich vom sanften Schaukeln des Wassers tragen lassen möchten.

🎟️ Fahrplan & Tickets: museumstramway.at

🕍 Basilika & Altstadt Mariazell

Die Basilika von Mariazell, die sich direkt am Hauptplatz der Stadt erhebt, ist ein majestätisches und zugleich einladendes Bauwerk – mit kunstvollen Vergoldungen und einer imposanten Kuppel, die schon von weitem sichtbar ist.

Die Basilika von Mariazell – einer der bekanntesten Marienwallfahrtsorte Mitteleuropas – wurde im Jahr 1157 gegründet. Damals brachte der Benediktinermönch Magnus eine aus Holz geschnitzte Marienstatue aus St. Lambrecht mit und errichtete inmitten der Berge eine kleine Kapelle.

Einer Legende zufolge versperrte ihm ein gewaltiger Felsblock den Weg, doch durch sein Gebet soll sich der Fels gespalten haben – so konnte er den heutigen Ort Mariazell erreichen.

Der Gnadenort gewann rasch an Bedeutung und wurde bereits im 14. Jahrhundert zu einem international bekannten Pilgerziel, das Gläubige aus Ungarn, Österreich, slawischen Ländern und ganz Europa anzog.

Die Kirche wurde mehrfach umgebaut: zunächst im gotischen Stil, später – ab dem 17. Jahrhundert – im barocken Stil, wodurch sie ihr heutiges, markantes Erscheinungsbild mit den drei Türmen erhielt.

Die Basilika hat auch für die ungarische Geschichte eine besondere Bedeutung: König Ludwig der Große schenkte der Kirche nach seinem Sieg über die Türken ein reich verziertes Marienbild – aus Dankbarkeit für den göttlichen Beistand.

Heute besuchen jährlich über eine Million Pilger die Basilika, die als Symbol für spirituelle Erneuerung und historisches Gedenken gilt.

Für den Besuch der Basilika ist kein Eintritt erforderlich. Wer dennoch seine Unterstützung zeigen möchte, kann an mehreren Stellen Souvenirs erwerben und den Betrag in eine Vertrauenskasse legen.

Der Platz rund um die Basilika und die gesamte Altstadt von Mariazell laden zum Verweilen ein: mit gemütlichen Cafés, kleinen Geschäften und liebevollen Details an jeder Ecke – sei es ein kunstvoll geschmiedeter Balkon oder die einladende Fassade einer Lebzelterei, die zum Fotografieren einlädt.